26. August 2011 NABU on Tour
Ein Turmfalke hält seine Trafo-Haustür geschlossen
Pretschen: Während eine Wasserfledermaus auf dem Gräberfeld in Plattkow sich in die Hand nehmen lässt, bleibt die Tür zum Trafohaus am Pretschener Ausbau bei der Nabu-Radtour zu. Der hinter der Tür vermutete Turmfalke konnte so seine Ruhe weiter genießen.
Nach dem Start an der Gröditscher Schule führt der Weg die radelnden Naturfreunde zu einem ehemaligen Transformatorenhäuschen am Pretschener Ausbau. Der Backsteinbau mit den hohen Einfluglöchern ist eines von zwei Häuschen, die der Kreisverband von der EnviaM und den Flächeneigentümern übernommen hat. „Einfach mit dem Ziel, hier etwas für den Artenschutz zu machen“ erläutert Baum- und Fledermausspezialist Gabriel Pelz bei seinen Ausführungen.
„Das andere Häuschen ist aus meiner Sicht baulich noch schöner, liegt aber in Groß Leuthen sehr versteckt am Waldrand“, fügt Pelz hinzu. Herumliegende Gewöllansammlungen deuteten schon vor der Übernahme auf Turmfalken hin. Da sie von beiden Arten gleichermaßen angenommen werden, ließ der Nabu Eulenkästen einbauen. Gleich im ersten Jahr nach der Entfernung der elektrischen Anlagen seien die ersten Schleiereulen eingezogen. Aktuell konnten die Radfahrer Kalkreste am Mauerwerk einem Turmfalken als aktuellem Bewohner zuordnen.
„Aber hier sind auch Nagetiere zu beobachten, die man sonst nicht zu sehen bekommt, weil sie nachtaktiv und scheu sind“, berichtet Gabriel Pelz. Die Tür des Trafohäuschens bleibt jedoch verschlossen. „Braune Lang ohren“, die als Vertreter der Fledermäuse von den Teilnehmern in dem Haus vermutet wurden, seien ohnehin nicht anzutreffen. „Die benötigen Strukturen wie große Hecken, an denen sie sich orientieren können“, so Pelz. „Das ruft nach einer Wiederholungsveranstaltung“, entschuldigt sich Thomas Fischer für das Türproblem. Die Verlagerung aus den Hochburgen des Spreewaldes in die Fläche des Vereinsgebietes sei ohnehin Ziel des Vereines.
Über Werder geht die Tour weiter nach Wittmannsdorf. Nach Essenspausen und Naturbeobachtungen an der Krummen Spree schließt ein Kirchenkonzertbesuch die 20 Kilometer lange Rundtour ab. „Das einmalige Radlerwetter und die fachkundigen Führungen, bei denen jede Frage zu Tier- und Pflanzenwelt beantwortet werden konnte, haben durchaus Lust auf die nächste Tour gemacht“, sagt Marina Engelmann.
Auch wenn das Orgelkonzert als Höhepunkt geplant war, „so war für mich der spontane Abstecher auf das historische Gräberfeld in Plattkow unvergesslich“, so Rainer Tischau. „Ausgerechnet da eine Wasserfledermaus zu entdecken, die wir in den Händen hielten, war einmalig.“
Zum Ausflug hatte der Nabu-Kreisverband „Spreewald“ am Samstag in der Reihe „Nabu on Tour“ geladen. Bei der Rundfahrt handelte es sich um eine Kooperation mit dem Evangelischen Pfarrsprengel Groß-Leuthen-Zaue.
Jens Golombek
Aus der Lausitzer Rundschau Ausgabe Lübben vom 22. August 2011

