Offener Brief B87 – Oktober 2015


Ortsumfahrung Lübben – Zeit zum Umdenken

Der Offener Brief der Bürgerinitiative Lübben-Treppendorf und des NABU KV Spreewald

Aktueller Stand

Die Planungen für die Ortsumfahrung Lübben B 87 n nehmen Gestalt an. Am 14.01.2015 wurden im projektbegleitenden Arbeitskreis Planungsentwürfe vorgestellt. Die 2012 vom Landesministerium bestimmte Linie („Fleischerhaken“) bleibt im Wesentlichen unverändert. Vorgeschlagene Alternativen bleiben nach wie vor unberücksichtigt.

Damit wird die OU B 87 erst nach der Durchfahrung von Neuendorf entlang des „Langen Rücken“ über die Berste (Brücke) geführt – 400 m von Treppendorf entfernt -, quert dann den Kimpernweg (Brücke), den Lubolzer Weg (Brücke), die B 115 (Brücke), die Bahnlinie Berlin – Cottbus (Brücke), die Lubolzer Straße (Brücke), die Bahnlinie Beeskow (Brücke), die Hartmannsdorfer Straße (Brücke), gefolgt von einer Querung der Teichgruppe 1, einer Brücke über die Spree und die Auwiesen (unterhalb der Einmündung des Umflutkanals) und einer Querung des Wieseneauer Weges (Brücke), um schließlich im Bereich der L 42 / B 87 angebunden zu werden. Streckenweise sind Überholspuren vorgesehen. Zwischen den Brückenbauten sind Dämme erforderlich. Vor der Spreebrücke wird der Damm 6 m Höhe erreichen, die Spannweite der Brücke wird ca. 500 m betragen. Zusätzlich sind noch Querungen von Gräben und Wegen, Durchflugschneisen für Fledermäuse und zuführende Bauwerke erforderlich.

Die technischen Details sind erschreckend. Schallschutz sei nicht erforderlich, da die geltenden Grenzwerte nicht überschritten würden.

Es wird ein gewaltiges Bauwerk – 10 km lang, 16 Brückenbauwerke, bis 6 m hohe und mindestens 15 m breite Wälle, 13,5 ha versiegelte Flächen. Verbrauch von 6 ha landwirtschaftlicher und 13 ha forstwirtschaftlicher Nutzflächen. 3,5 ha hochwertige Biotopstrukturen werden beeinträchtigt. Derzeitige Kostenschätzung: 52 Millionen €, dabei wird es nicht bleiben.

Wollen wir das wirklich?

Es werden Natur- und Kulturlandschaft in einem UNESCO-Biosphärenreservat verbraucht – und unsere Steuergelder, so ein Bauwerk will auch unterhalten sein! Die Verkehrsbelastung wird nicht beseitigt, sondern nur anders verteilt, die Fahrstrecke verlängert sich um mehr als das Doppelte. Unverändert bleibt der Anteil an innerstädtischem Binnen-, Ziel und Quellverkehr von derzeit ca. 90 %! Nur 10 % Durchgangsverkehr werden umgeleitet, darunter wohl auch die durchfahrenden LKW, die eigentliche Zielgruppe der Umgehungsstraße, die jedoch nur etwa einen Anteil von 10 % des Durchgangsverkehrs ausmachen. Die diesbezüglichen Verkehrsprognosen sind nach unten zu korrigieren. Im Jahr 2008 waren für die B 87 bis 2025 pro Tag 7000 Fahrzeuge veranschlagt worden. Die Zählungen zwischen 2006 und 2013 zeigen jedoch eine abnehmende Tendenz von 3600 auf 3000 Fahrzeuge täglich. Daran wird auch eine Ortsumfahrung nichts ändern. Auch die demographische Entwicklung in der Region spricht nicht für die Zunahme des Individualverkehrs. Für Ansiedlungen von Industrie- bzw. Logistikunternehmen gibt es keine realistischen Prognosen. Auch die Holztransporter verfügen nicht über unerschöpfliche Reserven und erreichen Lübben zu einem nicht unerheblichen Anteil aus Richtung Guben über die B 320 und nicht über die B 87.

Wenn der Richtwert des Bundesverkehrsministeriums – erst ab 10.000 Fahrzeugen pro Tag werden Ortsumfahrungen für den Bundesverkehrswegeplan diskutiert – angewendet wird, hat die OU B 87 n keine Chancen. Das Land bleibt auf den aus dem Landeshaushalt verausgabten Planungskosten sitzen, denn deren Refinanzierung erfolgt erst aus den Baukosten, die dann vom Bund getragen werden. Es sind also die Brandenburger Steuermittel, die hier aufs Spiel gesetzt werden.

Sollten wir nicht umdenken?

 Lübben ist ein Gesundheits- und Verwaltungsstandort, verfügt über Bildungseinrichtungen und vielfältig Geschäfte und Restaurants im Stadtzentrum, ist als Erholungsort anerkannt und nicht zuletzt als Wohnort in einer Natur- und Kulturlandschaft attraktiv. Er profitiert von der Berlin-Nähe, hofft auf weiteren Zuzug und lebt auch vom Tourismus. Diese Standortvorteile sind eng daran gebunden, dass diese Landschaft erhalten bleibt.

Wer sich die Planung der Ortsumfahrung „vor Augen führt“, der wird mit Beklommenheit erfassen, was hier für ein „Lindwurm“ in die Landschaft gelegt werden soll. Weder für die Lübbener noch für die Touristen wird das eine Attraktion. Einwohner und Touristen suchen Ruhe und Natur, sie werden sie nicht unter Straßenbrücken finden.

Es sollte uns nicht so gehen wie bei „Stuttgart 21“. Auch da lagen die Pläne rechtzeitig aus, aber die Betroffenheit der Bevölkerung regte sich erst, als der Bau begann und in der Realität sichtbar wurde, was da auf sie zukam. Deshalb sollten wir uns als Bürger dieser Stadt noch einmal mit diesem Projekt auseinandersetzen, und zwar vor dem ersten Spatenstich.

 

Noch ist es nicht zu spät, zum Beispiel die Alternative des innerörtlichen Ausbaus der B 87 voranzubringen – mit zusätzlichen  Kreisverkehren und weiteren Lärmschutzmaßnahmen, einer verbesserten Trassenführung und den ohnehin dringlich erforderlichen Brückenbauten sowie einer optimierten innerstädtischen Verkehrsführung, die auch die Belange der Radfahrer und Fußgänger angemessen berücksichtigt. Dadurch wäre der Status als staatlich anerkannter Erholungsort nicht gefährdet und den Gewerbetreibenden geholfen.

Es ist auch zu bedenken, dass nach dem Bau einer Umgehungsstraße die dann innerörtlichen Abschnitte der Bundesstraße in die kommunale Zuständigkeit umgewidmet werden, mit allen finanziellen Lasten.

Wir fordern Stadtverordnete und Stadtverwaltung sowie die Zuständigen in der Landes- und Bundesregierung auf, die bisherigen Vorentscheidungen für die Ortsumfahrung B 87 n zu revidieren und die verfügbaren Mittel für die Verbesserungen der Ortsdurchfahrt einzusetzen.

NABU Kreisverband Spreewald                 Bürgerinitiative Lübben-Treppendorf
Arnulf Weingardt                                    C. Liebsch




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