Pilzexkursion Doberburg


Am Ende waren die Körbe voll mit dem Unkundigen unbekannten Speisepilzen: Dörte Wernick (rotes Hemd) war sich bei der Bestimmung ihrer Sache sicher

Auf Initiative des Nabu-Kreisverbandes Spreewald ging es am Samstag zwischen Doberburg und Lieberose „in die Pilze“. Dörte Wernick aus Zaue ist eine von 30 vom Brandenburger Landesverband geprüften Sachverständigen und hatte die Führung der Gruppe übernommen.

Sonderlich groß war das Interesse an der Exkursion nicht, dafür konnten die Funde in kleinerer Runde ausführliche besprochen werden.

„Denn die Vielfalt in unseren wunderschönen Mischwäldern geht weit über die Maronenplantagen der Kiefernwälder hinaus“, schwärmte Dörte Wernick, die schon im Elternhaus von Pilzen begeistert wurde. „Wer Freude am Entdecken hat kommt hier garantiert auf seine Kosten.“

Zunächst wurden zum Taschenmesser noch die Lupen ausgepackt. Denn keine hundert Meter nach dem Start wurde zwischen Buchen, Birken und Eichen der erste Bestimmungsstop eingelegt und die Funde verglichen.

Immer wieder wurden Details und Doppelgänger in Pilzbüchern nachgeschlagen. Amethystblauer Lacktrichterling, Fuchsiger Scheidenstreifling aus der Klasse der Ständerpilze, zu den deutschen gesellten sich schnell die wissenschaftlichen Namen.

„Man gerät mit Fortschreitendem Pilzwissen schnell in das Lateinische“, erklärte die Sachverständige. „Die Unbedeutenden haben hier oft keinen eigenen Namen bekommen und andere tragen je nach Landstrich gleich mehrere Verschiedene.“

Im Zauer Landstrich kommt Dörte Wernick kaum zum Sammeln. „Darum steige ich auf den Wegen durch den Pfarrsprengel Groß Leuthen-Zaue immer mal unterwegs aus dem Auto im Wald aus. Was ich da am Straßenrand finde, reicht für mich vollkommen. Ich nehme ja auch Pilze, die mir niemand wegsammelt.“

Neulinge sollten da wählerischer sein und sich zuerst mit den Pilzen beschäftigen, die man gerne essen möchte. „Wenn man sich dazu die zwei giftigsten Arten merkt, kann nichts mehr schief gehen.“

Das seien der grüne Knollenblätterpilz und der Pantherpilz, der in Brandenburg „Sachsentod“ genannt wird. „Die Urlauber verwechseln ihn hier gern mit dem in Sachsen häufigen Grauen Wulstling, was fatale Folgen hat.“

Die Sachverständigen prüfen daher stets genau. Standort, Geschmack, Sporen, Farbveränderungen, Aussehen und Verhalten beim Auseinandernehmen ergänzen den oftmals markanten Geruch, der beim „Unverschämten Ritterling“ wenig angenehm ist.

„Es gibt 40 essbare Arten, die richtig gut schmecken.“

Bovisten, Rüblinge, Perlenpilze oder Milchlinge: Die Giftigkeit ist oftmals umstritten. Manche werden seit Generationen gesammelt und werden durch vereinzelte Vergiftungen dennoch zu Unrecht abgestempelt.“

Neben der Übernahme von Verantwortung suchte die Pilzexpertin stets den Wissensvorsprung. „Und den will man schließlich wie die Liebe zur Natur und deren Schutz auch weitergeben. Und die  kulinarische Nutzung von Pilzen hat ja auch ihre Vorzüge.“

In herzhaft gewürzten Crepes, mit Salbeiblättern in Butter geschmort, im salzigen Eiweißmantel ausgebacken, roh in einem grünen Salat: Die Liste der möglichen Verwendungen scheint endlos. Ein Giftiger sei noch nie im Topf gelandet. „Aber solche, die ich mal ausprobiert habe und wie  Schwefelporling oder Hexeneinicht nicht mein Fall sind.“

Mit Dienstsitz im Zauer Pfarrhaus sieht sich Dörte Wernick durchaus als Nachfolgerin von Pastor Rödelius, der einst Ludwig Leichhardt in die Naturkunde ein wies. Zwischen Pfarr- und Naturforscherfamilien bestanden demnach schon immer enge Verbindungen. „Oft waren diese Funktionen samt Lehraufgaben in einer Person vereint.“

Der Potsdamer Jürgen Weiland hatte den Waldboden abgesucht „um mal ein neues Revier kennen zu lernen. Obwohl wir viel Sammeln und Essen sind längst nicht alle Arten, die einem unter die Finger kommen, bekannt.“

Rainer Tietze notierte sämtliche Funde für eine spätere Kartierung. Der Senior will im nächsten Jahr ebenfalls die Prüfung zum Pilzsachverständigen ablegen. „Einfach aus Spaß an der Sache. Und bei solchen Wanderungen lernt man immer etwas dazu.“

Über die Jahre habe er pilzmäßig Masse durch Vielfalt ersetzt. Für die zweijährige Prüfungsvorbereitung „war ich schon ganz froh, Frau Wernick kennen gelernt zu haben, die einen mit manchem Tipp versorgen kann.“

Mit dem Fund von Frauentäubling und Totentrompete, die nun ins Fotoarchiv wandern, habe sich die gemeinsame Exkursion allemal gelohnt.

Aus der Lausitzer Rundschau Ausgabe Lübben vom 27. September 2011




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