Vergiftungen bei Wiedehöpfen


Unerklärliche Vergiftungen bei Wiedehöpfen in Brandenburg

Aufnahme eines Wiedehopfes

Im Zeitraum zwischen dem 12. Mai und 21. Juni 04 wurden in 4 Gebieten Südbrandenburgs erstmalig gehäuft tote Altvögel aufgefunden. In diesen Gebieten werden z.T. langjährig Niströhren für diese Art ausgebracht, kontrolliert und Junge beringt. Hierbei handelte es sich um mindestens 10 gefundene Tiere, von denen neun in den Nistkästen gefunden wurden. Von acht Vögeln ist das Geschlecht bekannt – Brutweibchen mit Gelege bzw. am Beginn des Legeprozesses. Ein weiterer war ein flügger Jungvogel mit Symptomen nach Vergiftung, da teilw. Großgefiederausfall und struppiges Gefieder vorhanden war.

Die Wiedehopfe wurden in folgenden Gebieten gefunden:

– 3 x ehemaliger Truppenübungsplatz (TÜP) Reicherskreuzer Heide (Kreis LOS)
– 3 x nördlicher Oberspreewald östlich Lübben LDS
– 2 x ehem. TÜP Jüterbog (TF)
– 2 x ehem. TÜP Lieberose (LDS)

Die acht Weibchen wurden im Auftrage des Landesumweltamtes Brandenburg in einem Landeslabor in Potsdam unter besonderer Berücksichtigung eines Vergiftungsverdachtes untersucht.

Hierbei wurde folgendes festgestellt und hier auszugsweise im Wortlaut wiedergegeben:

– pathologisch anatomisch ohne besonderen Befund
– spezifische bakterielle Infektionserreger in der kulturellen Anzüchtung nicht nachweisbar
– Nachweis von 40 mg/kg Originalsubstanz Methiocarb (Mercaptodimethur) im Mageninhalt (gepoolte Probe),
L-Cyhalothrin und weitere Schädlingsbekämpfungsmittel nicht nachweisbar

Weiter heißt es:
Die Befunde sprechen für eine Vergiftung durch Methiocarb. Dieser Wirkstoff ist insbesondere in Schneckenbekämpfungsmitteln u. Insekticiden enthalten. Einen Hinweis auf eine Vergiftung durch Karate Zeon -(2004 angewendetes Mittel zur Bekämpfung des Forstschädlings Nonne in der Nähe einiger Fundorte)- wurde nicht festgestellt. Da auf Grund der geringen Einzelmengen die Untersuchung leider nur über eine gepoolte Probe – Mageninhalte aller Wiedehopfe zusammen in einer Probe – möglich gewesen ist, können wir abschließend keine Zuordnung zu den einzelnen Vögeln vornehmen. Es ist zu vermuten, das sich das Gift nicht in allen Wiedehopfen befunden hat.

Fazit:

– Da das als Todesursache geltende Gift überwiegend in den Mageninhalten nachgewiesen wurde, muss dieses mit den Insekten im Brutgebiet aufgenommen worden sein. Vergiftungen in den Überwinterungsgebieten bzw. auf den Zugwegen sind somit ausgeschlossen.

– Wiedehopfe haben in optimalen Brutgebieten (nur in solchen wurden wegen Mangels an geeigneten Naturhöhlen die Nistkästen ausgebracht) einen Aktionsradius von nur wenigen Hundert Metern um den Nistplatz, in denen Nahrung gesucht wird.

– Drei der vier Fundplätze toter Tiere befinden sich in Naturschutzgebieten, in denen die Anwendung von Insektiziden nicht gestattet ist. Ortschaften, in deren Gärten Schneckenkorn Anwendung gefunden haben könnte, liegen zumeist außerhalb der Aktionsradien der gefundenen Hopfe (außer Oberspreewald).

– Da keine anderen todverursachenden Gifte und andere Todesursachen nachgewiesen wurden, liegt der Verdacht nahe, dass alle Wiedehopfe am selben Gift verendeten. Wie viele dazugehörige tote Männchen wurden in der freien Landschaft nicht gefunden?

– Lt. Internet-Recherchen befindet sich das o.g. Gift vornehmlich in Bekämpfungsmitteln gegen Schnecken, das in Gärten bzw. z.T. auf Landwirtschaftsflächen angewandt wird. Dieses ist auch in Spraydosen zur Bekämpfung von saugenden Insekten an Zimmerpflanzen enthalten, befindet sich jedoch offiziell nicht im Anwendungsbereich zum Schutze forstlicher Kulturen. (Und… wer setzt schon zu einer Jahreszeit Schneckengifte ein, in der es noch keine Scheckenplage gibt?

– Die Internet-Recherchen führten gleichfalls zur Information, dass o.g. Gift nur noch bis Oktober 2005 zugelassen ist. Sollten möglicherweise diese vorhandenen Giftbestände, welche nicht bis ende der Zulassung rechtzeitig aufgebraucht werden könnten, zu einem möglicherweise billigen u. illegalen Einsatz in der Forstwirtschaft zur Bekämpfung der Nonne Einsatz gefunden haben??? (Diese genehmigten Bekämpfungseinsätze fanden im fraglichen Zeitraum statt!) Und wenn ja, wie konnten diese fernab der genehmigten Nonnenbekämpfungsgebiete außerhalb der Naturschutzgebiete in Brutgebiete der NSG`s gelangt sein? Schadgebiete dürfen nur dann per Luftfahrzeuge besprüht werden, wenn Windverhältnisse herrschen, die eine Abdrift der Mittel in Nachbarräume verhindern.

– Fragen tun sich auf, auf die es aus unserer Sicht keine eindeutige Antworten zu geben scheint. Nur denjenigen, die hierfür verantwortlich scheinen, müssten die Antwort kennen – werden diese wohl kaum freiwillig kundtun.

Aus unserer Sicht müssen auf diesem relativ begrenztem Areal Südbrandenburgs Dinge geschehen sein, für die es keine natürliche bzw. in der fachlichen Insektizidanwendung fundierte Erklärung gibt! Es bleibt zu hoffen, dass infolge der eingeleiteten Untersuchungen des Landesumweltamtes die möglicherweise illegal erfolgten Gifteinsätze (von wem auch immer vorgenommen) sich nicht wiederholen werden! Andernfalls müssten künftig gebietsspezifische Untersuchungen vorgenommen werden, welche infolge Anzeige gegen Unbekannt die Inanspruchnahme zuständiger Gerichte zur Folge haben müsse.




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